Willkommen auf der Seite der Kampagne »Riot statt Rosen«

Es herrscht große Enigkeit darüber, dass 2016 ein beschissenes Jahr war – auch aus feminstischer Perspektive: Silvester in Köln, der Prozess gegen Gina-Lisa Lohfink, die Wahl von Donald Trump, die geplante Verschärfung des Abtreibungsgesetzes in Polen, der Gesetztesentwurf der Türkei zur Legalisierung sexueller Übergriffe auf Minderjährige durch die anschließende Ehe, ein Erstarken der Neuen Rechten und so weiter. Schuld daran ist jedoch nicht das verfluchte 2016, Schuld daran sind Sexismus und Patriarchat. Obwohl es diese gesellschaftlichen Verhältnisse sind, die alltägliche Angriffe auf Frauen* möglich machen, wurden sie im öffentlichen Diskurs kaum benannt.

Nach der Silvesternacht 15/16 in Köln gab es eine Debatte über sexualisierte Gewalt. Eine Debatte, in der sich selbst Sexist*innen als Beschützer*innen der Frau* aufspielen konnten. Eine Debatte, in der Gewalt gegen Frauen* ethnisiert wurde. In der Folge führte die Polizei unter breiter Zustimmung aus der Gesellschaft Silvester 16/17 rassistische Kontrollen in Köln, aber auch in Hannover durch.
Die Übergriffe und damit die betroffenen Frauen* wurden für eine rassistische Stimmungsmache instrumentalisiert, bei der Frauen*rechte zum Grundwert einer „westlichen Kultur“ erhoben wurden – ungeachtet der alltäglichen Gewalt durch „deutsche“ Täter. Die eigene vermeintliche Fortschrittlichkeit wurde durch die Übertragung sexistischer Unterdrückung auf „fremde Kulturen“ gesichert, Sexisten sind immer die „anderen“.

Es ist kein Zufall, dass Sexismus und Patriarchat kaum benannt wurden, denn eine Überwindung bestehender Herrschaftsverhältnisse war niemals das Ziel der Debatte: Reaktionäre Politiker*innen, die noch zu Silvester die Rechte der Frau* verteidigten, fordern an anderer Stelle ein totales Abtreibungsverbot oder verpflichtende Geburtenraten und greifen damit massiv in das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung der Frau* ein. In den USA wurde mit Donald Trump ein Mann zum Präsidenten gewählt, der sich offen zu Übergiffen auf Frauen* bekannte und diese noch verherrlichte. Betroffene sexualisierter Gewalt werden hingegen weiterhin nicht ernst genommen oder selbst zu (Mit-)Schuldigen erklärt.

Der internationale Frauen*tag ist für uns kein Feiertag, sondern ein Kampftag! Wir begnügen uns nicht mit Blumen, nicht mit kleinen Errungenschaften auf dem Weg zur Gleichstellung. Feministisch kämpfen bedeutet für uns, sexistische Herrschaftsverhältnisse anzugreifen. Wir fordern: Riot statt Rosen!